Politische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen haben dazu geführt, dass internationale Partnerschaften unter Druck geraten, betonte Bischof Gerber in einem Festgottesdienst im Rahmen der Hrabanus-Maurus-Akademie in Fulda. Eine zunehmend fragmentierte Welt sei von massiven Entsolidarisierungsprozessen geprägt. Als Beispiel nannte er den „eklatanten und folgenreichen Rückgang der Entwicklungshilfe“.
Vor diesem Hintergrund stellte Bischof Gerber die Frage, was von Christinnen und Christen in dieser Situation erwartet werden könne: „‚Ihr seid das Salz der Erde‘. Was kann die Erde, was hat die Welt von uns in dieser Situation zu erwarten?“ Gefragt seien Wortmeldungen, konkrete Interventionen und ein gelebtes Leben, das Perspektiven eröffnet, so Gerber.
Der Bischof verwies in diesem Zusammenhang auf Überlegungen des Soziologen Hans Joas. Dessen These eines „moralischen Universalismus“ beschreibt „die Fähigkeit und Bereitschaft, ein Geschehen aus der Perspektive anderer zu sehen und Handlungen danach zu bewerten, was sie für diejenigen bedeuten, die nicht zum Kollektiv gehören“. Diese Denkbewegung habe sich in unterschiedlichen Kulturen entwickelt und bilde eine Grundlage moderner universaler Werteordnungen.
Aus theologischer Sicht sei damit eine zentrale Erkenntnis verbunden, sagte Gerber: „Wir haben die tiefe Überzeugung, dass die Würde des Menschen unverfügbar ist und bleibt, weil der Mensch von Gott selbst mit dieser Würde ausgestattet ist.“ Ein moralischer Universalismus ziele genau darauf, diese Würde auch jenen zuzuerkennen, die jenseits des eigenen Kollektivs leben.
Zugleich machte Bischof Gerber deutlich, dass die Erkenntnis solcher Werte selbst geschichtlich vermittelt ist. Die Entwicklung hin zu einem universalen Verständnis von Menschenwürde – etwa in der Charta der Vereinten Nationen von 1945 – sei ein historisch-kontingenter Prozess. Dieser Umstand relativiere jedoch nicht den erkannten Wert selbst. Aufgabe der Theologie sei es vielmehr, präzise zu unterscheiden zwischen dem geschichtlichen Vorgang der Erkenntnis und der Universalgültigkeit des darin aufscheinenden Wertes.
Der Bischof griff dazu ein Zitat des kanadischen Premierministers Mark Carney auf, der von einer Welt sprach, in der „die regelbasierte Ordnung verblasst“ und der Eindruck entstehe, „dass die Starken tun können, was sie können, und die Schwachen leiden müssen, was sie müssen“. Diese Sichtweise werde zunehmend als „natürliche Logik der internationalen Beziehungen“ dargestellt.
Vor diesem Hintergrund verwies Bischof Gerber auf die begrenzte öffentliche Sichtbarkeit von Theologie und Kirche in den gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten. Angesichts der Dramatik der aktuellen Entwicklungen reiche es aber nicht aus, sich auf interne Diskurse zu beschränken. Das biblische Bild vom Salz der Erde verdeutliche, dass Wirkung nur dort entstehe, wo es zur unmittelbaren Wechselwirkung komme.
Daraus folge der Auftrag, über vertraute Gesprächskreise hinauszugehen, sagte der Bischof. Die Weitergabe des Evangeliums sei historisch gerade dadurch möglich geworden, dass die Jünger ihre vertrauten Milieus verlassen hätten. Gerade heute bedürfe es einer bewussten Öffnung hin zu anderen gesellschaftlichen Gruppen und Diskursfeldern.
Eine Zukunft für die Werte, für die Christinnen und Christen eintreten, sieht der Bischof im Zusammenwirken mit anderen demokratisch gesinnten Kräften. Dabei gelte es, Ausdauer im Dialog zu bewahren: „Lassen wir uns dabei nicht abschrecken von so manchem Misserfolg, von manch ausgeschlagener Einladung.“
Entscheidend sei das Bemühen, die Denklogik des Gegenübers besser zu verstehen und nachzuvollziehen, wie andere Menschen ihren Zugang zu den als universal und allgemein gültig erachteten Werten gefunden haben.
Die Theologische Fakultät Fulda veranstaltet ihre jährliche Akademie aus Anlass des Festes des heiligen Hrabanus Maurus. Die traditionelle Akademieveranstaltung umfasst in der Regel unter anderem einen akademischen Festvortrag, ein Grußwort des Großkanzlers sowie akademische Auszeichnungen. Hauptzelebrant des feierlichen Akademie-Gottesdienstes war in diesem Jahr Bischof Dr. Michael Geber.
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