Rückblick: Nacht der offenen Kirchen

Rückblick: Nacht der offenen Kirchen

Rückblick: Nacht der offenen Kirchen

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Rückblick: Nacht der offenen Kirchen

KASSEL (27.9.26) Eine Kirche ohne Dach und ein Kirchenraum, den niemand betreten darf – und trotzdem eine „Nacht der offenen Kirchen“. Die Elisabethkirche Kassel hat aus dieser besonderen Situation eine Tugend gemacht. Am Freitagabend wurde der Bauzaun rund um die Kirche selbst zum Ausstellungsraum. Großformatige, farbig beleuchtete Bilder erinnerten an Kunstprojekte der vergangenen Jahre und machten zugleich deutlich: Kultur und Kirche gehen an diesem Ort auch während der Bauzeit weiter.

Am Freitag beteiligten sich 26 Kirchen und christliche Gemeinschaften an der Kasseler „Nacht der offenen Kirchen“. Musik, Ausstellungen, Führungen und spirituelle Angebote luden dazu ein, bekannte und weniger bekannte kirchliche Orte neu zu entdecken. 

Bei der Elisabethkirche war das in diesem Jahr allerdings nur vor der Kirche möglich. Nach dem Einsturz des Daches ist das Gebäude weiterhin Baustelle und der Innenraum nicht zugänglich. Gerade daraus entstand eine ungewöhnliche Idee: Wo sonst Absperrgitter und Bauzäune den Blick auf eine Baustelle begrenzen, entstand für eine Nacht eine lange Open-Air-Galerie.

Unter dem Titel „BERÜHRT³ KircheKunstKultur – Retrospektive berührender Kunstmomente in der Elisabethkirche“ waren auf großformatigen Bannern Fotografien früherer Kunstausstellungen in der Elisabethkirche zu sehen. Sie erinnerten unter anderem an die besondere Verbindung von zeitgenössischer Kunst, Kirchenraum und Spiritualität, die das Profil der Elisabethkirche über viele Jahre geprägt hat. 

Gerade nach Einbruch der Dunkelheit entwickelte die Ausstellung eine besondere Atmosphäre. Farbige Strahler tauchten die Bilder am Bauzaun in blaues und violettes Licht, kleine Kerzen und Lichter markierten den Weg entlang der Ausstellung. Dahinter ragten Gerüst und Baustelle der Elisabethkirche in den Nachthimmel. So standen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kirche unmittelbar nebeneinander: die Erinnerungen an frühere Kunstprojekte auf den Bannern, die sichtbare Baustelle dahinter und die Hoffnung auf die erneute Öffnung des Kirchenraumes.

Zwischen 18 und 22 Uhr wurden zu jeder vollen Stunde Führungen angeboten. Dabei ging es nicht nur um einzelne Kunstwerke und Ausstellungen, sondern auch um die Geschichte der Kulturarbeit der Elisabethkirche und um die Frage, wie dieses Profil nach dem Wiederaufbau weiterentwickelt werden kann. Für den späteren Abend waren zudem spirituelle Impulse um 23 Uhr und um Mitternacht vorgesehen. 

Pfarrer André Lemmer hatte bereits im Vorfeld betont, wie wichtig die Beteiligung trotz der geschlossenen Kirche sei. Die Elisabethkirche solle auch künftig ein Ort für Kunst und Kultur sein, an dem Menschen spirituell berührt werden und Glauben erfahren können. 

Auch die Bauzaunausstellung selbst richtete den Blick deshalb nicht nur zurück. Sie sollte zugleich Vorfreude auf die Zeit wecken, in der die Elisabethkirche wieder betreten und für Gottesdienste, Begegnungen und Kulturveranstaltungen genutzt werden kann. In einem Interview mit DOMRADIO wurde die Idee so beschrieben: Statt der üblichen Werbung an Bauzäunen zeigen die großformatigen Fotografien Erinnerungen an frühere Ausstellungen – und weisen gleichzeitig auf die künftige kulturelle Nutzung der Kirche hin. 

So bekam der Begriff „Nacht der offenen Kirchen“ an der Elisabethkirche eine ganz eigene Bedeutung: Die Kirchentür konnte noch nicht geöffnet werden. Offen war der Ort trotzdem – für Begegnungen und Gespräche, für Erinnerungen an Kunst und Kultur und für einen Blick auf das, was nach der Baustellenzeit wieder möglich sein soll.

Und vielleicht passte gerade der Bauzaun besonders gut zu diesem Abend: Er markierte nicht nur eine Grenze. Für eine Nacht wurde er zu einer Fläche, die etwas öffnete – den Blick zurück auf viele besondere Kunstmomente und zugleich den Blick nach vorn auf die Zukunft der Elisabethkirche.

Mehr Infos auf www.zukunft-elisabethkirche.de

Fotos: Kerstin Leitschuh / Marcus Leitschuh

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